Rupert Frani
a – Ein Pfarrer vieler Geschichten
Ein häufiger Gedanke auf Sterbebildern befasst sich mit der Erinnerung: Solange jemand an dich denkt, bist du nicht verloren, heißt es dort oft sinngemäß. Theologisch kann ich dem nicht unbedingt zustimmen – wissen wir als Christen doch darum, dass wir, egal was geschieht, immer bei unserem Herrn geborgen sind. Nicht nur in der Erinnerung, sondern leibhaftig.
Und doch ist mir genau dieses Wort sofort in den Sinn gekommen, als ich darüber nachgedacht habe, was ich persönlich mit Pfarrer Frania verbinde. Wann immer er mich besuchte und wir ins Gespräch kamen, ließ er mich teilhaben an den vielen Erinnerungen und Begegnungen seines reich erfüllten Lebens.
Wenn Pfarrer Frania vorbeikam – sei es, weil er etwas aus dem Pfarrbüro benötigte, oder um sich zu verabschieden, weil er mit seiner Schwester zur Kur nach Abano reiste –, wusste ich genau: Jetzt darf ich mir Zeit nehmen. Zeit für das, was ihn mit diesem Ort verband; für die vielen Menschen, denen er begegnet war, und für alles, was er in seinen vielen Jahren als Priester erleben durfte.
In vielen Bereichen habe ich ihn als ein wandelndes Lexikon wahrgenommen – ein Lexikon, das seine Fülle an Wissen und Fakten stets gerne und großzügig mit anderen teilte. Ich habe ihm immer gerne zugehört, denn in seiner Stimme schwang stets eine tiefe Begeisterung für die Themen mit, die ihn bewegten.
Dass er diese Eigenschaft auch in seine Gottesdienste einbrachte, wusste vielleicht nicht jeder gleichermaßen zu schätzen – konnte es doch vorkommen, dass die Messe ein paar Minuten länger dauerte, wenn er ausführlich aus dem Leben der Tagesheiligen erzählte. Für andere jedoch eröffnete sich durch seine Worte ein ganz neuer Blick auf jene Menschen, die uns Vorbild im Leben und im Glauben sind.
Besonders die Bewohnerinnen und Bewohner des Malteserstifts in Percha freuten sich, wenn er regelmäßig mit ihnen Gottesdienst feierte. Er verstand es, ihre Lebenswelt in seine Predigten einzubinden, weil er nachempfinden konnte, was Menschen in diesem Lebensabschnitt bewegt.
Die Feier der Eucharistie und der seelsorgliche Dienst im Pfarrverband Aufkirchen waren ihm seit er 2015 in Höhenrain eingezogen war bis zuletzt ein Herzensanliegen. Ohne seinen unermüdlichen Einsatz wäre das reichhaltige Gottesdienstangebot in unserem Pfarrverband so nicht möglich gewesen. Bis zu seinem letzten Krankenhausaufenthalt ließ er es sich nicht nehmen auszuhelfen, wo er nur konnte – selbst als ihm das Gehen im Altarraum zunehmend schwerer fiel.
Pfarrer Frania war kein Mensch der klagenden Worte, sondern jemand, der anpackte; der sich liebevoll um seine Schwester kümmerte und da war, wenn er gebraucht wurde.
Nun hat sein langer, treuer Dienst auf Erden ein Ende gefunden. Wir lassen ihn in Dankbarkeit gehen und wissen ihn geborgen in den Händen des Schöpfers, dem er sein Leben geweiht hat. Jetzt darf er teilhaben an jener Gemeinschaft, von der er so oft und mit so viel Herzblut erzählt hat.
Herr, gib ihm die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihm. Lass ihn ruhen in Frieden. Amen.
Mathias Klein-Heßling, Pfarradministrator im Pfarrverband Aufkirchen am Starnberger See
