Die Schönheit der Ehe und der Familie

Am 30. Dezember feierte die Kirche das Fest der Heiligen Familie. Was tut sich in der Kirche in Bezug auf die Ehe und die Familie, besonders in den sogenannten „irregulären Situationen“? –  von Hartmut Bannert.

  • Im Oktober 2015 ging die Bischofsynode zum Thema „Ehe, Liebe und Sexualität“ zu Ende. Viele Katholiken hatten sich von dieser Synode klare Antworten insbesondere zu den Themen Geschiedene – Wiederverheiratete, Homosexualität etc. erwartet – sie wurden vielleicht enttäuscht. Besonders dieses Kapitel blieb in bisheriger Unverbindlichkeit: Eingliederung in die Kirche „Ja“ – Zugang zu den Sakramenten „Nein“.

  • Im März 2016 hat Papst Franziskus ein Nachsynodales Apostolisches Schreiben mit dem Namen „Amoris laetitia“ herausgegeben, das auch dieses Thema behandelt.  Noch sehr vorsichtig öffnete Papst Franziskus eine Tür, die Anlass zur Hoffnung gab. Im 8. Kapitel, Seite 209, Ziffer 296 heißt es (Zitat): „Niemand darf auf ewig verurteilt werden, denn das ist nicht die Logik des Evangeliums“! Es wird angedeutet, dass in den sogenannten „irregulären Situationen“, zu denen auch Geschiedene – Wiederverheiratete gehören, die unterschiedlichen Situationen zu differenzieren sind und entsprechend persönlich und pastoral zu  begegnen sind. Damit hört die Klärung auf, geschweige denn, dass sie klare Aussagen macht. Für die Betroffenen, Laien wie Priester noch immer eine unklare Situation.
  • Nun gibt es einen Lichtblick! Ein aktuelles Apostolisches Schreiben von Papst Franziskus zum Abschluss des Hl. Jahres der Barmherzigkeit vom 20. November 2016 mit dem vielsagenden Titel: „Misericordia et misera – die Barmherzigkeit und die Erbärmliche“. Es verweist auf die Begegnung Jesu mit der Ehebrecherin zu der er letztlich sagt „Auch ich verurteile dich nicht. Geh und sündige von nun an nicht mehr!“  (vgl. Joh 8,9). Eine unendliche, unbedingte und frei gegebene Barmherzigkeit, die jedes menschliches Verständnis übersteigt! Damit folgt Papst Franziskus konsequent seinem Credo der Barmherzigkeit. Deshalb argumentiert er auch (Zitat): „Im Mittelpunkt stehen nicht das Gesetz und die legale Gerechtigkeit (der Kirche, Anmerkung des Verfassers), sondern die Liebe Gottes“, vgl. Misericordia et misera, 1 (ab jetzt MM 1). Und er unterstreicht diesen Gedanken noch deutlicher (Zitat): „Nichts, was ein reumütiger Sünder vor die Barmherzigkeit Gottes trägt, kann ohne die Umarmung seiner Vergebung bleiben. Das ist der Grund, warum niemand von uns der Barmherzigkeit Bedingungen stellen kann; sie bleibt immer ein Akt der Unentgeltlichkeit des himmlischen Vaters, eine bedingungslose und unverdiente Liebe“, vgl. MM 2. Das gilt expressis verbis für die Abtreibung. Zitat: „Ich möchte nochmals mit all meiner Kraft betonen, dass Abtreibung eine schwere Sünde ist, da sie einem unschuldigen Leben ein Ende setzt. Mit gleicher Kraft kann und muss ich jedoch sagen, dass es keine Sünde gibt, die durch die Barmherzigkeit Gottes nicht erreicht und vernichtet werden kann, wenn diese ein reuevolles Herz findet.„, vgl. MM12. Aber – wenn das Gesetzt nicht ausschließen darf, dann gilt dies auch für Geschiedene und Wiederverheiratete! Ein Gespräch mit dem zuständigen Pfarrer ist auf jeden Fall zu empfehlen. Zitat: „Dies erfordert, vor allem seitens des Priesters, eine aufmerksame, tiefe und weitsichtige geistliche Unterscheidung, damit niemand ausgeschlossen wird, in welcher Situation er auch lebt…“, vgl. MM14.
  • Mit diesem Apostolischen Schreiben öffnet der Papst die Tür, die die Bischofsynode nicht oder noch nicht öffnen wollte oder konnte. Papst Franziskus fühlt sich also nicht zwangsweise an ein Votum z.B. der Bischofssynode oder anderer kirchlichen Institutionen gebunden. Er entscheidet allein und aus eigenem Entschluss, wie er betont. Das lässt hoffen, dass die starre Haltung der Kirche sich langsam der gelebten Wirklichkeit öffnet und Wege weist, die es ernsthaft suchenden Christen ermöglicht wieder einen Zugang zur Kirche und zu den Sakramenten zu finden.

Es ist wieder ein lesenswertes Schreiben von Papst Franziskus und wir werden auf das Schreiben immer wieder zurückkommen.

(Beitrag Hartmut Bannert)